Erlaubtes und Nichterlaubtes – Halal / Helal und Haram

Halal , Haram oder Makruh?

„Halal“ (ḥalāl, arabisch حلال‎) – oder im Türkischen „Helal“ – ist ein arabisches Wort und kann mit „erlaubt“ und „zulässig“ übersetzt werden. Als halal werden alle Dinge und Taten bezeichnet, die nach islamischem Recht erlaubt oder zulässig sind. Dies bezieht sich neben den Speisevorschriften auch auf die Ehe, den Handel, Anstand und Sitte oder Musik.

Zwischen halal und haram gibt es eine Grauzone - makruh (unerwünscht). Diese Dinge sind nicht ausdrücklich verboten, tendieren jedoch in Richtung haram. Muslime sollten daher auch als makruh eingestufte Dinge meiden.

Die islamische Philosophie bezüglich Halal und Haram basiert auf dem Grundsatz, daß der Mensch als vernunftbegabtes Geschöpf mit einem freien Willen ausgestattet ist und deshalb Verantwortung für sein Handeln im Diesseits zu tragen hat. Der individuelle Umgang mit dieser Verantwortung beweist sich unter anderem in der bewußten und freiwilligen Beachtung des Normenkodex für Halal und Haram. Deshalb auch verstehen Muslime die islamische Lebensweise als Prüfung, der sie von ALLAH (ta'ala) unterzogen werden und deren Bestehen oder Nicht-Bestehen Folgen im Jenseits hat.

Durch das Halal- und Haram-Prinzip lernt der Mensch, seine niederen Instinkte gezielt zu kontrollieren und seine Neigungen durch den Einsatz der Vernunft zu zügeln. Muslime richten sich für ihr gesamtes Leben und Handeln nach den Vorgaben des allwissenden, allgnädigen Schöpfers und nicht nach dem oft ungerechten und wechselhaften Gutdünken der fehlbaren Geschöpfe.

Der Islam ist somit eine Lebensweise, die alle Bereiche des menschlichen Daseins umfaßt und regelt und deshalb auch Auswirkungen auf alle Lebensbereiche hat.

Die Beachtung der Halal-Gebote durch Muslime ist somit obligatorisch nicht nur im bekannten Bereich Ernährung (Schweinefleisch- und Alkoholverbot), sondern ebenso im Bekleidungs-, Erziehungs- und Bildungssektor, im Bereich Wirtschaft und Finanzen (Vertragswesen, Bankgeschäfte, Versicherungen) und allen anderen Ebenen.

Muslime unterwerfen sich freiwillig dem von ALLAH (ta'ala) gesetzten Normenkodex und somit ihrem Schöpfer ALLAH (ta'ala), sie geben sich hin und handeln entsprechend SEINEN Richtlinien. Genau dies ist Islam.

Diesen verinnerlichten Wertvorstellungen folgend wird das Halal-Haram-Prinzip von Muslimen nicht als Einschränkung ihrer Freiheit oder reform-bedürftiges Relikt einer veralteten Gesellschaftsstruktur erlebt, sondern als zeitloses, absolut gerechtes und immer gültiges Prinzip einer von ihrem Schöpfer vorgegebenen gottgewollten Lebensführung.

Das oberste Prinzip der Schari'a, des islamischen Normensystems, ist "das Abwehren von Schädlichem und das Fördern von Nützlichem". Da ALLAH (ta'ala) alles auf dieser Erde für den Menschen erschuf, lautet die islamische Grundegel: Im allgemeinen ist alles erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist. Ziel des Islam ist es somit den Menschen bei der Bewältigung ihres Lebens Erleichterung zu bringen und keine Erschwernis.

Dies findet seinen Ausdruck auch innerhalb des Halal-Haram-Systems, in dem auf absolut perfekte und ausgewogene Art die Interessen und Bedürfnisse sowohl des Individuums als auch der Gemeinschaft berücksichtigt werden und zwar von Körper, Seele und Geist. Der Islam bringt die materielle und spirituelle Ebene in Einklang, wobei er die diesseitigen und jenseitigen Aspekte gegeneinander abwägt.

Was ist nun „Halal“ und was „Haram“?

Im Koran werden elf Gruppen ursächlicher Unreinheiten genannt. Vier davon betreffen Nahrungsmittel  (Koran, Sure 5, Vers 3). Verboten sind:

  • Aas (alle Tiere, die eines natürlichen Todes gestorben sind)

  • Blut (nur das Blut darf konsumiert werden, das nach ordnungsgemäßer Schlachtung und Entblutung im Tier verbleibt)

  • Schwein (alle Lebensmittel, die Bestandteile vom Schwein enthalten oder daraus gewonnen werden)

  • Geschlachtete Tiere, die anderen als Gott geweiht sind (z.B. Opfertiere nicht-monotheistischer Religionen)

  • Alkohol

Verboten sind auch Fleisch fressende Tiere mit Fangzähnen, Raubvögel, giftige Tiere und Schädlinge.

Aus Pflanzen gewonnene Lebensmittel sind grundsätzlich halal. Davon ausgenommen sind jedoch berauschende und toxische Produkte, z.B. Alkohol. Gewürze zählen nicht dazu.

Gewürze

Bei der Herstellung von Halal-Lebensmitteln muss sichergestellt sein, dass alle Zutaten halal und frei von bedenklichen Stoffen sind. Deshalb fußen die Zertifizierungsrichtlinien der HALAL QUALITY MANAGEMENT wichtigen Quellen, zu denen Sie auf der Homepage Informationen finden.

Um dies alles zu gewährleisten, verbietet der Islam die eigenmächtige Einschränkung von Erlaubtem (Halal) und Spitzfindigkeiten bei der Interpretation der Gebote. Ebenso ist es strikt untersagt, Halal für Haram zu erklären oder umgekehrt Haram als Halal zu deklarieren.

Soziologisch und historisch betrachtet, ist die Beachtung eines Normenkodex von erlaubt und verboten keine islamische Besonderheit, sondern eine gesellschaftliche Notwendigkeit, die in allen Religionen und Glaubensgemeinschaften zu finden ist. Selbst nicht (mehr) religiös ausgerichtete Gemeinwesen und alle anderen irgendwie gearteten Gesellschaftssysteme basieren auf einem Prinzip von "Halal und Haram".

Im Quran wird Halal als Taiyib (gut, das Gute, gesund, das Gesunde) bezeichnet und Haram mit Khabith (schlecht, das Schlechte, nicht gut, das nicht Gute) bezeichnet. Und im Quran heißt es: "Euch sind die Taiyibat (die Taiyib-Dinge) erlaubt und die Khabaith (Khabith-Dinge) verboten".

Dazu sagt der Quran:

"Und MEINE Gnade umfaßte alles. So werde ICH sie für diejenigen bestimmen, die Taqwa beherzigen und Zakat entrichten und für diejenigen, die den Iman an UNSERE Ayat beherzigen. Diejenigen, die dem Gesandten, dem lese- und schreibunkundigen Propheten folgen, über den sie bei sich in At-taurat und Al-Indschil geschrieben finden. ER ruft sie zum Gebilligten auf, rät sie vom Mißbilligten ab, macht für sie die guten Dinge Halal, erklärt ihnen die schlechten Dinge für Haram und erleichtert ihnen ihre schweren Gebote und die Ein-schränkungen, die ihnen auferlegt waren." (7:156/57)

Sag: ‚"Wer erklärte für Haram die gepflegte Kleidung, die ALLAH für Seine Diener hervorbrachte, und das Gute vom Rizq ?' Sag: ‚Diese sind für die Mumin im diesseitigen Leben bestimmt und am Tag der Auferstehung ausschließlich ihnen vor-behalten'. Solcherart verdeutlichen WIR die Ayat für Menschen, die wissen. Sag: ‚Mein HERR hat jedoch nur für Haram erklärt die Verwerflichkeiten - das Offenkundige und das Verborgene davon, die bewußte Verfehlung, die Aggressivität zu Unrecht, daß ihr ALLAH gegenüber Schirk betreibt, wozu ER niemals eine Bestätigung offenbarte, und daß ihr über ALLAH das sagt, was ihr nicht wisst." (7:32/33)

Die Parallele zu Taiyib-Dingen findet sich auch in der deutschen Bezeichnung "Güter". Denn der Singular von "Güter" ist "Gut", das als Adjektiv das Schöne und Gute beschreibt und als Nominativ das Produkt, das Ding beschreibt. Leider wird diese Bezeichnung heutzutage nicht nur für die guten Produkte verwendet, sondern für Gutes und Schlechtes.

Taqwa bedeutet sowohl Schutz als auch die höchste Stufe der Frömmigkeit. Rizq ist die Bezeichnung für alle materiellen und immateriellen Dinge ALLAHs. Mumin ist die Bezeichnung für Menschen, die sich zum Islam bekennen und seine Werte durch Wissen verinnerlichen und beherzigen. Ayat ist Plural von Aya und bedeutet entweder Zeichen, Merkmal oder ein fest definiertes Teil aus dem Quran. Schirk ist die Bezeichnung für jede Art von Polytheismus.

Quelle: A.Z./HC/2/00

Im Quran steht auch: 5.Sure (Der Tisch)

"(87) O die ihr glaubt, erklärt nicht als unerlaubt (haram) die reinen Dinge, die Allah euch erlaubt hat (halal), doch übertretet auch nichts. Denn Allah liebt nicht die Übertreter. (88) Und esset von dem, was Allah euch gegeben hat: Erlaubtes, Reines. "